Das war der Tag der integrativen Methoden 2021

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Das war der Tag der integrativen Methoden 2021

Namhafte Referenten erörterten am „Tag der Integrativen Methoden“ warum nur eine Zusammenarbeit der konventionellen und der komplementären Medizin zukunftsweisend ist. „Die Rolle der Tierärztekammer ist es, das Miteinander zu fördern, das Gemeinsame aus zwei medizinischen Welten zu unterstützen und auch zu vertreten”, mit diesen Worten begrüßte Tierärztekammer-Präsident Kurt Frühwirth die Zuhörer:innen zum „Tag der Integrativen Methoden“, der am 15. April 2021 zum zweiten Mal stattfand. Wie auch in der Vergangenheit war das Interesse an der Veranstaltung groß und so kamen über 160 Interessierte in den virtuellen Hörsaal, um Wissenswertes über die „Möglichkeiten der integrativmedizinischen Methoden zu Prophylaxe und Therapie in der Nutztierpraxis“ zu erfahren.

Integrativmedizin ist unverzichtbar in der Nutztierpraxis

„Ganzheitliches ist gefragt!“ eröffnete Mag. Kurt Frühwirth, Tierarzt und Präsident der Österreichischen Tierärztekammer (ÖTK) diese Veranstaltung, die ganz im Zeichen der integrativmedizinischen Methoden stand. Der Event fand – nach einer pandemiebedingten Pause – am 15. April 2021 zum zweiten Mal statt, diesmal allerdings als Webinar. Das Interesse war groß und so fanden sich mehr als 160 Interessierte ein, um den hochkarätigen Vortragenden zu lauschen. Organisiert wurde diese in Österreich einzigartige Veranstaltung von Dr. Detlef Bibl, ÖGT (Österreichische Gesellschaft der Tierärztinnen und Tierärzte)-Präsident, Diplomtierärztin Christine Kranabetter, Vorsitzende der Sek­tion Ganzheitsmedizin der ÖGT und der ÖGVH (Österreichische Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie)-Präsidentin Dr. Petra Weiermayer.

„Der ,Tag der Integrativen Methoden‘ wurde 2018 ins Leben gerufen, mit dem Ziel integrativmedizinische Methoden und deren praktische Anwendung Tierärzt:innen, Student:innen und allen interessierten Personen nahezubringen.”

Diplomtierärztin Dr. Christine Kranabetter, Vorsitzende der Sektion Ganzheitsmedizin der ÖGT & Mit-Organisatorin

Wie wichtig die integrativmedizinischen Methoden sind, wurde von Mag. Kurt Frühwirth in seinen Begrüßungsworten einmal mehr mit direkten Worten unterstrichen. „Die Tierärztekammer als Interessensvertreter ist geradezu verpflichtet, sich mit der Vielfalt der unterschiedlichen Interessensgebiete zu befassen“, so der Kammerpräsident, „und ich trete auch persönlich für eine bessere Verknüpfung von konventionell medizinischen und komplementärmedizinischen Methoden ein. Denn Tiermedizin ist keine reine Naturwissenschaft, sondern auch eine Erfahrungswissenschaft, die sich an anderen Wissenschaften bedienen kann. So kommt es nicht nur auf die Expertise der Tierärzt:innen mit konventionell medizinischen Methoden, sondern eben auch auf die tierärztliche Nutzung von integrativmedizinischen Methoden zum Wohle unserer Patienten an. Auch das Gesundheitsministerium favorisiert den Begriff Komplementärmedizin, um zu signalisieren, dass diese Methoden nicht als Alternative, sondern als wertvolle Ergänzung zur konventionellen Medizin gesehen werden sollen.“ Zum Schluss plädierte Frühwirth noch an seine Kollegenschaft: „Komplementärmedizinische Methoden sollen die konventionelle Medizin ergänzen, im Sinne einer integrativen Medizin. Die geführten Grabenkämpfe zwischen konventioneller Medizin und Komplementärmedizin – leider auch innerhalb unseres Berufstandes – sollten endlich zugunsten einer integrativen Medizin überwunden werden. Ich bin mir sicher, dass die heutige Veranstaltung einiges dazu beitragen wird, die Situation zu verbessern.“

One Health – gemeinsam für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt

Die Organisatoren der Tagung der integrativen Methoden haben es einmal mehr geschafft, namhafte Experten aus verschiedenen Bereichen der Integrativmedizin auf das Online-Podium zu holen. Ergebnis war ein spannendes Webinar, das sowohl von Kolleg:innen aus allen Bereichen der Medizin und Pharmazie sowie von Studierenden und Landwirt:innen sehr interessiert verfolgt wurde. Zudem waren auch die beiden großen Förderer der integrativen Medizin, Dr. Fritz Gamerith, Geschäfts­führer von Schwabe Austria, dem Traditionsunternehmen und Marktführer für homöopathische und phytotherapeutische Arzneimittel und Erika Popa von Drott Medizintechnik, zu Gast im virtuellen Vortragsraum.

verschiedene integrative Methoden

Die Beiträge zu den integrativen Methoden im Einzelnen

Dr. Petra Weiermayer: „Integrativmedizinischer Ansatz in der Antibiotikaresistenzproblematik”

Für ein Miteinander der Medizin im Sinne der integrativen Methoden plädierte gleich die erste Referentin. Dr. Petra Weiermayer, Fachtierärztin für Homöopathie, Präsidentin der ÖGVH und Leiterin der Sektion Forschung von WissHom: „Gerade wegen der globalen Bedrohung durch die stetige Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien ist der Einsatz der Integrativmedizin mehr als notwendig“, so Weiermayer und zeigt anhand qualitativ hochwertiger Studien, dass die Wirksamkeit der Homöopathie für weiterführende Forschung hinreichend belegt ist und der Einsatz von Antibiotika mittels Homöopathie signifikant reduziert werden kann, wobei sie auch auf den kürzlich von ihr und 3 weiteren Human- und Veterinärmediziner:innen in einem kon­ventionellen peer reviewed Journal publizierten Review1 verweist „Im Sinne von One Health, also einer Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, ist die Integrative Medizin zukunftsweisend. Das gemeinsame Ziel von konventioneller und Komplementärmedizin ist die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes – und dieses Ziel nachhaltig zu erreichen, ist nur mit einem gemeinsamen Weg möglich!“ In diesem Sinne wurde nun im Rahmen des 10.ten JPIAMR (Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance) das Projekt „Netzwerk T&CM (Traditionelle und Komplementärmedizin): Globale Initiative für traditionell medizinische Lösungsansätze gegen antimikrobielle Resistenz (GIFTS-AMR)“ gestartet und setzt sich im Sinne von One Health aus internationalen Experten der Bereiche Human- und Veterinärmedizin, Pharmazie und Biologie zusammen. Österreich wird durch Univ.-Prof. PD. Dr. Peter Panhofer, Univ.-Prof. Dr. Michael Frass und Dr. Petra Weiermayer vertreten. „Den Forderungen des Europäischen Grünen Deals (Farm2Fork-Strategie) und der EU-Bio-Verordnung 2018/848, nämlich 1.) bis 2030 den Antibiotikaeinsatz EU-weit um 50% zu reduzieren und die Anzahl der Biobetriebe von 8% auf 25% zu steigern, sowie Homöopathie und Phytotherapie in Biobetrieben bevorzugt anzuwenden bevor konventionelle Medikamente inklusive Antibiotika zum Einsatz kommen, muss in unser aller Sinne dringend Folge geleistet werden. Dies wird erst durch eine bessere Integration der Komplementärmedizin inklusive Homöopathie an den Universitäten in Lehre und Forschung ermöglicht, denn es braucht eine größere Anzahl entsprechend ausgebildeter Tierärzt:innen sowie weiterführende universitäre Forschung. Diese absolut notwendige Forderung im Sinne der Patienten ist in der Schweiz gemäß Medizinalberufegesetz für Unterricht und Forschung an der Universität bereits gesetzlich verankert und sollte als Vorbild für andere Länder dienen,“ appelliert die Fachtierärztin.

gesunde Schweine im Stall aufgrund von integrativen Methoden

Dr. Martin Werner-Tutschku: „Homöopathie in der Schweinepraxis“

Seit 30 Jahren ist Dr. Werner-Tutschku in den Ställen unterwegs, behandelt auch schon mal 1.000 Mastschweine gleichzeitig – und genauso praxisorientiert legt er auch seinen Vortrag an. „Ich bin mit Leib und Seele konventioneller Mediziner und verwende Antibiotika, wo sie notwendig sind“, sagt der Geschäftsführer der Traunkreis Vet Clinic, „aber ich freue mich auch immer, wenn ich integrative Methoden einsetzen kann. Und vor allem die Homöopathie hat sich für mich im Klinikalltag bewährt.“

In Österreich gibt es bereits viele Landwirt:innen, die Homöopathie fordern, denn „gerade Schweine sind Hochleistungstiere und da muss dann wirklich alles passen“. Und so gewährte der erfahrene Veterinärmediziner einen spannenden Einblick in seinen Alltag und gab Tipps für passende homöopathische Arzneimittel rund um die Geburt beim Schwein, bei Ferkelruss, Atemwegserkrankungen & Co.

Phytotherapie als eine von vielen integrativen Methoden

Dr. Doris Gansinger: „Phytotherapie und ganzheitliche Ansätze und Konzepte für die Nutzgeflügelhaltung“

Um die umfassende Kraft von Pflanzenstoffen ging es im nächsten Vortrag. Dr. Doris Gansinger, seit fast 20 Jahren Fachtierärztin für Geflügel: „Der Schwerpunkt von Phytotherapie liegt in der Pro- und Metapyhlaxe. Das heißt Phytotherapie und ganzheitliche Ansätze dienen der Salutogenese und der Stärkung der Resilienz!“ Auch Gansinger verwies aber darauf, dass all diese integrativen Methoden und Maßnahmen kein Ersatz für optimierte Umweltbedingungen, wie Betreuungs-, Fütterungs- und Haltungsmaßnahmen sind – all diese Faktoren sind in der Nutztierhaltung entscheidend.

Wichtig ist ein möglichst stabiles mikrobielles Gleichgewicht im intestinalen Mikrobiom herzustellen und zu erhalten, wobei die Phytotherapie erfolgreich zum Einsatz kommt. „Wir können mit funktionellen Pflan­zenstoffen und mit Competitive exclusion-Konzepten den Einsatz von Antibiotika optimieren und reduzieren, so die Gefahr von Resistenzbildung verringern und die Wirksamkeit der Therapeutika, die wir bei kranken Tieren brauchen, erhalten. Und so leistet die Phytotherapie ebenfalls einen großen Beitrag zur One Health,“ erklärt Gansinger.

Der Kuhstall als Anwendungsgebiet von integrativen Methoden

Mag. Michael Ridler: „Integrativmedizin im Rinderstall – ein Erfahrungsbericht aus der Praxis“

Auch im Kuhstall sind die Antibiotika-Resistenzen ein großes Thema, erzählt Fachtierarzt für Homöopathie Mag. Michael Ridler, der zudem ein ÖTK-Diplom für Phytotherapie hat. „Es gibt einige Indikationen, die sich mit konventioneller Medizin nicht behandeln lassen. Zudem ist gerade die Homöopathie im Rinderstall oft einfacher zu verabreichen und auch kostengünstiger als so manche konventionellen Arzneimittel,“ erzählt der erfahrene Veterinärmediziner. Und wie gut so manche integrativen Methoden anschlagen können, erörterte er anhand zweier Fallberichte. Der erste Fallbericht drehte sich um das peripartale Euterödem, das neben Problemen bezüglich Melkbarkeit sowie Aufstehen und Niederlegen auch eine erhöhte Gefahr für Mastitis, Verletzungen der Euterhaut und Zitzen sowie Rezidive mit sich bringen kann.

Mag. Ridler ist es gelungen, das Euterödem mittels homöopathischer Therapie innerhalb weniger Tage vollständig zur Heilung zu bringen und es ist danach kein Rezidiv aufgetreten. Ein Erfolg, der die Nachhaltigkeit der integrativmedizinischen Behandlungsmethoden eindrücklich aufzeigt, gleich wie die erfolgreiche phytotherapeutische Behandlung einer behandlungsresistenten Nierenbeckenentzündung. Diese heilte nach dreimaliger erfolgloser antibiotischer Therapie mittels dreiwöchiger Gabe von Goldrutenkraut und Bären­traubenblätter vollständig ab. Kuh Luna brachte mittlerweile zwei Kälber zur Welt, ist nun zum dritten Kalb trächtig und zeigte keinerlei Probleme mit Harnwegsinfekten mehr.

Akupunktur als eine von vielen integrativen Methoden

Dr. Andreas Zohmann: „Verhalten und Akupunktur – Regulationsfähigkeit eines Akupunkturpunktes“

Stichig und nadelig ging es dann weiter: Dr. Andreas Zohmann, Fachtierarzt für Akupunktur und Neuraltherapie, entführte zu einem historischen Exkurs durch die Akupunktur. Die spannende Reise ging vom Olymp zu Ötzi und von Tätowierungen zur Veterinärmedizin. Die Akupunktur geht zwar auf etwa 500 v. Chr. zurück, doch mittlerweile ist durch etliche Untersuchungen und Studien bewiesen, wie diese Regulationsmedizin uns und unsere Tiere unterstützen kann.

Dr. Harald Pothmann: „Einsatz der Auriculotherapie zur Eutergesundheit bei Milchkühen“

Auch im letzten Vortrag ging es um Akupunktur, allerdings um die spezielle Art der Ohrakupunktur, der sogenannten Auriculotherapie. Dr. Harald Pothmann stellte eine Pilotstudie vor, die untersuchte, inwieweit sich die Eutergesundheit durch Auriculotherapie beeinflussen lässt. „Wir alle wollen eine bakteriologisch einwandfreie Milch – und hier ist die Eutergesundheit ein entscheidender Faktor. Doch etwa jede fünfte Kuh in Österreich leidet einmal im Jahr an einer klinischen Mastitis. Noch höher ist der Anteil an subklinischen Mastitiden. Das ist für den/die Landwirt:in kostenintensiv und kann bis zu 20 % Einnahmenverlust bedeuten.“

Eutergesundheit aufgrund von integrativen Methoden
Die Therapie der subklinischen Mastitis ist schwierig und häufig erfolglos. Daher wurde im Rahmen einer Dissertation untersucht, ob die Stimulation des sogenannten Euterpunktes am Ohr zu einer Verbesserung der Eutergesundheit führen kann. Das Ergebnis ist vielversprechend: Es wurde ein positiver Effekt nachgewiesen! Pothmann: „Wir können diese Methode als durchaus erfolgreich ansehen. Allerdings kann mit dieser Pilotstudie noch nicht nachgewiesen werden, ob es auch definitiv ein Antibiotikaeinsparungspotential gibt – hier braucht es noch Folgestudien, um dies zu verifizieren.“

Alle Vorträge hatten also eines gemeinsam: Sie haben gezeigt, wie zukunftsweisend die integrativen Methoden in der Reduktion von Antibiotika in der Nutztierpraxis sind. Sei es nun Homöopathie, Phytotherapie oder Akupunktur, die Zusammenarbeit komplementärer Methoden und konventioneller Medizin ist anhaltend und zunehmend wichtig für die zukünftige Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.

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